Understanding Vegans – Gedanken zum Buch von André Huber

Das Buch Understanding Vegans von André Huber zeigt mit Humor, wie es sich anfühlt, vegan in einer nicht-veganen Welt zu leben.

Ich gehe durch Supermärkte voller Milch und Fleisch, sehe Werbung, die Fleischkonsum mit Freiheit und Genuss gleichsetzt – und weiß gleichzeitig, welches Leid dahintersteht. Es ist, als würde man ständig eine unsichtbare Schicht mehr wahrnehmen als alle anderen.

Oder:
Neulich beim Grillabend – ich bringe meine marinierten Gemüsespieße mit, alle anderen haben ihre Würstchen. Einer der Gäste lacht und fragt: „Na, fehlt dir da nicht was?“ – Ich antworte freundlich, aber innerlich denke ich: „Fehlt mir wirklich etwas – oder fehlt uns allen nicht eher ein Stück Bewusstsein?

Genau um solche Momente geht es in André Hubers Buch Understanding Vegans – What you always wanted to know about this one annoying friend of yours. Es ist kein trockenes Manifest, sondern ein humorvoller, persönlicher Einblick in das Leben von Veganer:innen – und darin, wie sie von ihrer Umwelt wahrgenommen werden.

Ich habe mich darin wiedergefunden – und gleichzeitig herzlich gelacht. Immer wieder dachte ich: „Ja, genauso fühlt es sich an!“

Das Bild des „nervigen Freundes“

Huber greift ein Klischee auf, das ich nur zu gut kenne: Veganer sind angeblich „nervig“. Aber warum eigentlich? Nicht, weil wir ständig über Tiere reden, sondern weil wir unbequeme Fragen aufwerfen.

Er bringt das wunderbar auf den Punkt: Man liebet Hunde, streichelt Katzen – und isst gleichzeitig Rinder oder Schweine, als sei selbstverständlich. Diese dog-loving, cow-eating twisted morals decken in meinen Augen eine gesellschaftliche Doppelmoral auf, die ich in Gesprächen immer wieder erlebe. Für mich fühlt es sich an, als würde ich jeden Tag ein Bild sehen, das alle anderen überblenden.

Veganer in einer nicht-veganen Zeit

In einer Gesellschaft, die Tierprodukte als selbstverständlich betrachtet, fühlt man als Veganer oft wie ein Fremdkörper. Während die einen mich für „extrem“ halten, bewundern mich andere für meine Konsequenz. Dieses Pingpong zwischen Ablehnung und Bewunderung prägt mein Leben – und Huber zeigt, dass genau das der Normalzustand ist, wenn man „anders“ lebt als die Mehrheit.

Es bedeutet, ständig Entscheidungen zu treffen, die den Status quo infrage stellen: vom Einkauf über Restaurantbesuche bis hin zu familiären Festen. Und es bedeutet, eine andere Logik zu sehen – eine, die den meisten verborgen bleibt.

Humor statt Dogma

Was mich an Hubers Buch begeistert, ist sein Tonfall. Er will niemanden beschämen, sondern zum Nachdenken anregen. Er predigt nicht – er erzählt und bringt die Leser zum Lachen. Seine „geheime Agenda“ gibt er offen zu: Er will, dass wir alle vegan werden. Außer vielleicht in der absurden Ausnahme, dass man mit einem Schwein auf einer einsamen Insel strandet.

Diese humorvolle Art hilft mir auch selbst, den Alltag leichter zu nehmen. Denn ohne Humor würde man in einer Welt, die Tierprodukte überall feiert, schnell resignieren.

Zwischen Bewunderung und Ablehnung

Als Veganer wird man oft hin- und hergeworfen zwischen Bewunderung („So konsequent! So gesund!“) und Ablehnung („Du bist doch extrem!“).

Einmal brachte ich zu einem Geburtstagsbrunch vegane Muffins mit. Erst hieß es: „Ach, die sind bestimmt trocken.“ Dann wurden sie verputzt – und plötzlich wollte jeder das Rezept. Genau diese Ambivalenz beschreibt Huber sehr treffend.

Für mich wurde beim Lesen klar:

„Ich bin nicht „extrem“. Viel extremer ist es, ein Leben zu nehmen, wenn es gar nicht notwendig ist.“

Warum ich dieses Buch wichtig finde

Understanding Vegans richtet sich nicht in erster Linie an uns, die schon vegan leben, sondern an alle, die uns verstehen wollen – oder die sich vielleicht von uns genervt fühlen. Doch auch für mich als Veganer war es bereichernd: Ich habe über meine eigene Rolle geschmunzelt, viele Situationen wiedererkannt und gemerkt, dass Humor wahrscheinlich die beste Brücke ist.

Meine persönliches Meinung

Vegan in einer nicht-veganen Welt zu leben, bedeutet für mich, die Dinge anders zu sehen – klarer, aber manchmal auch einsamer. André Hubers Understanding Vegans zeigt genau diese Erfahrung: ehrlich, witzig und nachvollziehbar.

Vielleicht bin ich als Veganer manchmal unbequem – aber vielleicht nerve ich nur deshalb, weil ich daran erinnere, dass es auch anders geht. Weil ich eine Welt wahrnehme, die für andere unsichtbar bleibt – und weil ich hoffe, dass sie irgendwann für alle sichtbar wird.

P.S.: Und wer weiß – beim nächsten Grillabend bringe ich nicht nur meine Gemüsespieße mit, sondern auch ein Exemplar von Understanding Vegans. Denn wer liest, lacht – und denkt vielleicht ein Stück weiter.

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