Von der jugendlichen Entscheidung zum heutigen Lebensweg

Von der ersten Entscheidung: Mein Weg zur vegetarischen Ernährung

Mein Weg zum bewussten veganen Leben begann bereits als Teenager – lange bevor pflanzliche Ernährung gesellschaftlich sichtbar wurde.

Im Frühsommer 1991 fasste ich – ohne besonderes Ereignis oder einen erkennbaren Auslöser – als Teenager den Entschluss: Von nun an sollte kein Tier mehr für mein Essen sterben müssen. Für mich war das damals eine klare Sache – ich liebte Tiere, also gehörten sie nicht auf meinen Teller.

Zu meinem Glück nahm meine Familie diese Entscheidung gelassen hin. Niemand machte ein großes Drama daraus. Vielleicht hofften sie, dass ich diese „Phase“ bald wieder aufgeben würde. Ich wurde nicht gedrängt, Fleisch zu essen, nicht mit Ratschlägen zu Nährstoffen oder Nahrungsergänzungsmitteln überhäuft noch wurde mir nahegelegt unseren Hausarzt regelmäßig zu konsultieren, um auszuschließen, dass meine Ernährungsweise mich am Ende nicht doch krank machen würde.

Mein Leben ging einfach weiter, wie bisher – mit der Ausnahme, dass ich zu diesem Zeitpunkt der Überzeugung war, dass für mein Essen ab jetzt keine Tiere mehr sterben müssten. Denn schließlich liebe ich die ja …

Die vermeintlich „harmlose“ Wahl: Milch, Eier und Honig

Milchprodukte, Eier und Honig standen damals weiterhin auf meinem Speiseplan. Damit erfüllte ich aus heutiger Sicht die „Anforderungen“ eines klassischen Ovo-Lacto-Vegetariers. Ich hatte immer genug zu essen, vermisste nichts und fühlte mich wohl.

Doch immer wieder wurde ich gefragt, warum ich diese Produkte essen würde, wenn ich doch sonst auf Fleisch verzichtete. Ohne lange nachzudenken, und voller Überzeugung, hatte ich stets die gleiche Antwort parat: „Kühe müssen ja ohnehin gemolken werden, Hühner legen sowieso Eier, und für Honig sterben Bienen nicht.“ Diese Erklärung wirkte schlüssig und stellte die meisten zufrieden – anfangs auch mich selbst.

Heute blicke ich beschämt auf diese Aussagen zurück. Wie konnte ich so lange in dem Glauben leben, dass für Käse oder Eier keine Tiere leiden müssen? War es Unwissenheit, Bequemlichkeit – oder schlicht Egoismus? Irgendwann kam der Punkt, an dem ich weiterdachte – und den Schritt (endliche) zu einer 100 % pflanzlichen Ernährung machte.

Der entscheidende Schritt zum veganen Leben

Es fühlte sich großartig und befreiend an – keine Spur von Verzicht, keine Unsicherheit – nur Klarheit.

Auch jetzt stand meine Familie wieder 100 % hinter mir. Natürlich bedeutete das anfangs bei Festen und Feiern eine gewisse Umstellung für den Gastgeber, aber ich musste nie hungrig am Tisch sitzen.

Für diese Toleranz bin meiner Familie ich bis heute von Herzen dankbar!

So gesehen habe ich den Weg zu meinem veganen Leben in zwei Etappen bestritten. Der Unterschied aber, hätte größer kaum sein können.

1990er vs. Mitte 2020er

In den 1990ern war weit und breit nicht die Rede von Alternativprodukten zu Milch oder Fleisch. Tofu war zwar bekannt, probiert habe ich ihn damals jedoch nie.  Vegan lebende Menschen waren eine Seltenheit und wurden eher als „besondere Erscheinung“ betrachtet. Toleranz und Akzeptanz schienen dadurch wohl einfacher zu sein.

Heute – Mitte der 2020er – sieht das für mich völlig anders aus. Über 30 Jahre Entwicklung liegen dazwischen. Die Anzahl derer, die eine pflanzliche Ernährung immer mehr zu schätzen wissen, steigt stetig an. Supermarktregale werden deshalb ständig mit neuen pflanzlichen Produkten erweitert, bekannte Lebensmittel tragen V-Label, große Fleisch- und Molkereibetriebe bringen eigene vegane Linien heraus, und Werbung stellt Veganismus fast schon als Normalität dar. Eigentlich müsste mein „veganes Herz“ vor Freude springen.

„Doch ein Faktor hat mit dieser Entwicklung augenscheinlich nicht Schritt gehalten: der Mensch.“

Zwischen Toleranz, Spott und Rechtfertigung

Noch nie zuvor musste ich mich so oft für meine Ernährung rechtfertigen, wurde belächelt oder Zielscheibe von Witzen. Gleichzeitig zeigen sich viele Menschen plötzlich „sehr besorgt“ um meine Gesundheit und mutieren in meiner Gegenwart umgehend zu Ernährungsexperten.

Fragen wie: „Woher bekommst du dein Calcium?“, „Wie machst du das mit dem Eisen?“ oder „Nimmst du Vitamin B12?

gehören mittlerweile zum Alltag. Natürlich sind all diese Nährstoffe wichtig. Doch oft wirkt es, als müsse nur ein vegan lebender Mensch beweisen, dass er sich gesund ernährt – während alle anderen ungefragt bleiben.

Eine bewusste Entscheidung

Ich habe gelernt, mit der Abwertung, der Kritik und der Herabwürdigung zu leben, die mir begegnen, wenn es um vegane Ernährung oder meinen Lebensstil geht.

Und doch berührt es mich jedes Mal, weil es traurig ist zu sehen, wie wenig Feingefühl, Respekt und echtes Interesse füreinander – und für die Lebewesen, mit denen wir diesen Planeten teilen – heute noch vorhanden sind.

Wir sprechen viel von Toleranz – und fordern sie lautstark ein. Doch sobald es um eine Ernährung geht, die Mitgefühl, Gerechtigkeit und das Recht jedes Lebewesens auf Leben in den Mittelpunkt stellt, verstummt sie nur allzu oft.

Frei entscheiden: Für oder gegen Tiere auf dem Teller?

Wir haben das große Glück, in einer Zeit und in einem Land zu leben, in dem wir frei entscheiden dürfen.

Ich habe meine Entscheidung getroffen: bewusst, frei und aus tiefster Überzeugung – für ein veganes Leben. Aus Liebe, aus Mitgefühl, aus Achtung vor dem Leben.

Und nun eine Frage an dich:

Wann in deinem Leben hast du dich eigentlich bewusst, frei und aus eigener Überzeugung dafür entschieden, Tiere zu essen?

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