Ich kam, um zu sehen – und wurde gesehen

Eine Begegnung der besonderen Art!

Es war mir vergönnt, etwas zu erleben, dass mich tief berührt und zum Nachdenken gebracht hat. In einer Welt, in der das Schwein für viele Menschen lediglich als Schnitzel, Speck oder Wurst auf dem Teller existiert, hatte ich die seltene Gelegenheit, diese Tiere in ihrer vollen Lebendigkeit, Würde und Persönlichkeit zu begegnen.

Wann hast du eigentlich das letzte Mal ein Schwein gesehen?

Ich meine nicht auf einem Werbeplakat, auf dem Teller oder als rosa Karikatur in einem Kinderbuch – sondern wirklich gesehen: in seiner vollen Größe, mit all seiner Präsenz, seinem Geruch, seinen Geräuschen, seinem neugierigen Blick?

Es scheint, als würden sie wie durch Geisterhand erst im Supermarkt auftauchen: zerlegt, eingeschweißt, etikettiert und anonymisiert. Von ihrem Leben, ihrem individuellen Wesen, ihrer Geschichten ist nichts mehr zu spüren. Ich wollte das ändern.

Ich wollte den Schweinen begegnen, sie berühren, sie beobachten – ihnen als fühlendes Lebewesen und auf Augenhöhe begegnen, ohne Hektik, ohne Erwartung. Ich wollte herausfinden, wie sie wirklich sind.

Und so führte mich mein Weg nach Henndorf bei Salzburg, auf Gut Aiderbichl – einen Ort, an dem Tiere nicht nach ihrem Nutzen, sondern nach ihrer Würde betrachtet werden.


Kune-Kune Schweine – eine fast vergessene Tierrasse erleben

Dort gibt es eine große Gruppe rund 50 Kune-Kune-Schweine – eine alte, friedliche Schweinrasse mit neuseeländischen Wurzeln. Sie leben auf einem Hof inmitten der Natur, umsorgt von Frau Dr. Marianne Wondrak, die sie seit über elf Jahren begleitet. Sie kennt jedes ihrer Tiere beim Namen, kann ihre Eigenheiten beschreiben und sorgt spürbar mit unglaublicher Hingabe für ihr Wohlergehen. Ich hatte die Möglichkeit, Zeit mit diesen wunderbaren Wesen zu verbringen – ganz bewusst, achtsam und ohne Zeitdruck. Es war ruhig, ehrlich und tief bewegend.

Schon beim Ankommen spürte ich diese besondere Atmosphäre. Etwas war anders – ruhiger, weicher, ehrlicher. Ich näherte mich den Schweinen mit etwas Scheu, aber sie begegneten mir mit sanftem Grunzen, ohne Eile. Ein Schwein kam langsam auf mich zu, schob neugierig seine Schnauze gegen meine Hand, als wolle es sagen: „Ich bin da – und du?“


Erdung und Ruhe – Was die Nähe zu den Schweinen bewirkt

Was ich dann erlebte, war weit mehr als ein Tierkontakt. Es war ein tiefes, fast meditatives Gefühl. Ich saß im Stroh – später auf der Wiese, umgeben von diesen Tieren, und spürte eine ungewohnte Ruhe. Sie strahlten etwas aus, das ich schwer in Worte fassen kann: eine natürliche Erdung.

Schweine leben tief im Element Erde verwurzelt. Ihre Nähe wirkte auf mich wie ein natürlicher Filter, durch den all meine Unruhe, mein Stress, meine Sorgen einfach versickerten – wie Wasser im Boden. Ich fühlte mich geerdet, klarer, irgendwie „zurückgeholt“. Es war, als würden sie mich wortlos dazu einladen, loszulassen – und einfach zu sein. Das sind Bilder, die man nicht vergisst. Es sind Begegnungen, die einen Perspektivwechsel auslösen.

Diese Tiere sind nicht laut. Sie drängen sich nicht auf. Und gerade darin liegt eine unglaubliche Kraft. Ich durfte sie streicheln, beobachten, ihren Atem hören. Und je länger ich bei ihnen war, desto mehr kam ich bei mir selbst an.


Schweine als fühlende Wesen: Freude, Angst und Zuneigung

Die Begegnung an diesem Tag mit den Schweinen war mehr als nur berührend. Sie war heilend. Ich habe nicht nur Tiere gesehen – ich habe fühlende Wesen erlebt, die Freude empfinden, Angst haben können, Zuneigung zeigen und Verbindung suchen. Lebewesen, die ein Recht auf Leben und Respekt verdienen – jenseits von Stallhaltung und Schlachthof.

Vielleicht ist es an der Zeit, dass wir unseren Blick verändern. Nicht, indem wir uns schuldig fühlen, sondern indem wir neugierig und ehrlich hinsehen.

Eine „Schweinerei“ der besonderen Art – Begegnungen, die heilen könne.

Diese Stunden auf Gut Aiderbichl waren für mich eine unglaublich schöne „Schweinerei“ – im besten, tiefsten, ehrlichsten Sinne des Wortes.

Ich wünsche mir, dass mehr Menschen – vielleicht auch du – irgendwann die Gelegenheit dazu haben, es selbst erleben zu dürfen.

Denn echte Nähe schafft Verständnis. Und aus Verständnis entsteht Mitgefühl.

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